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„Die Demokratie aufs Kreuz gelegt“ (seit 2005; in Vorbereitung)

Eine Gaunerkomödie in sieben Bildern
von Thomas Brändle und Marcel Schneider

Dieses Stück versucht, etwas Zeitgeschichte abzubilden, will – ganz Aufgabe des Theaters – der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. In einem demokratisch organisierten Staat – wir nehmen als Musterknaben vorzugsweise den „Sonderfall“ Schweiz – erleben wir, wie irgendwann zwischen den 1990er Jahren und dem Jahr 2013 ein lange schon währender Wachstumsdruck sich zunehmend demokratiefeindlich verschärft. Die Protagonisten Gruber und Kohler beugen sich der Prämisse, sie sind Unternehmer, gross genug, um von den Rahmenbedingungen zu profitieren. Auf der anderen Seite kämpfen die Volksvertreter Schocher und Schleicher mit dünner werdendem Handlungsspielraum – und beugen sich schliesslich ebenso, orchestriert von der Bankdirektorin Feldmann. In der Folge lagert der Staat seine gesamte Wertschöpfung aus, um das Volk bei Laune zu halten. Das Volk, das ist der Souverän und letzte Entscheidungsinstanz, realisiert den Ausverkauf nicht. Es überlässt sein Schicksal den politisch Verantwortlichen, den Volksvertretern, die von Sachzwängen reden und neben der Personenfreizügigkeit („Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all’“) alle anderen neoliberalen Freiheiten auch noch gleich umsetzen: Kapitalfreizügigkeit, Warenfreizügigkeit, Dienstleistungsfreizügigkeit.

Das einzige UNO- Mitglied mit direkter Demokratie privatisiert alles, was es vor rund 150 Jahren verstaatlicht hat: die gesamte Grundversorgung, Eisenbahn, Post, Banken, Krankenkassen, Telekommunikation, Strassen, Energieversorgung. Man will den anderen Staaten in nichts nachstehen, wenn es darum geht, Teil einer modernen und „freien“ Gesellschaft zu sein. Patrioten sind rückständig, ewiggestrig – fortschrittlich ist, wer im Grossen denkt, sich als Europäer fühlt. Die Eliten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fühlen sich mächtig, sind jedoch ihrerseits nur die Strippenzieher einer unsichtbaren Macht. Die Zahlen auf den persönlichen und geschäftlichen Bankkonten wachsen stetig: Catch-as-catch-can. Reiche kennen keine Armen. Wer arm ist, macht selbst etwas falsch und ist überhaupt vollkommen selbst schuld.

Doch plötzlich, eines Morgens, bleiben die Computerbildschirme schwarz. Es ist der schwarze Freitag 2013. Ernüchterung macht Entsetzen Platz. Die Schweizer erkennen, dass sie den ganzen Staat – die schweizerische Demokratie – inklusive Goldvorräte an ausländische Kapitalbesitzer verkauft haben. Und wofür? Für welchen Gegenwert? Für wertlos, weil unsichtbar gewordenen elektronische Zahlen auf einem Computer. Und jetzt, da die Bildschirme schwarz sind: Wer ist der neue Besitzer der Schweiz? Wer hat hier die Demokratie aufs Kreuz gelegt?

Humorvoll, kurzweilig und mit satirisch-ironischem Scharfsinn parodiert diese Theaterkomödie den Irrsinn unserer Zeit: Wachstumszwang (aufgrund von Zinseszinsforderungen) verlangt zur Korrektur die Zerstörung des Geschaffenen. Krisen als periodisch wiederkehrendes Korrekturinstrument.

Das Stück ist keine politische Manifestation, es zielt auf das Bauchgefühl und lässt erkennen, was wo wie und warum schief läuft. Und bietet damit wenigstens im Ansatz eine Alternative zum Hamsterrad, dem rat race, in dem sich all jene befinden, die „ihre Säcke selber tragen“. Das sind rund 90% der Bevölkerung.


"Dumm sind nicht diejenigen, die dieses System ausnützen, sondern diejenigen, die dieses System zur Verfügung stellen."

Christoph Blocher, Schweizer Bundesrat, an der Albisgüetli-Tagugng in Zürich, 2.1.2006


"Heute schon aufs Kreuz gelegt worden?"

Foto by Raphael Zubler


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